Archiv für den Monat Oktober 2015

Der Betrug mit der „Luftbrücke“

Berlin 1945

Gegen Schieber und Spekulanten
Am 24. Juni 1948 erließ die Sowjetische Militärverwaltung einen Befehl, der jeden Verkehr auf dem Schienen- und Wasserwege und den Landstraßen unterband, der sich nicht der Kontrolle unterwarf. So begann die sogenannte „Blockade“ Berlins. Das Beharren der Sowjetischen Behörden auf ihrem Kontrollrecht begeiferte die kapitalistische Presse als „einen der brutalsten Versuche in der Neuzeit, den Massenhunger als politisches Zwangsmittel zu benutzen“. Das ist eine Lüge! Der sowjetische Kommandant erbot sich, jederzeit Berlin mit Nahrungsmitteln zu versorgen, einzig und allein die Vereinigten Staaten versperrten „aus politischen Gründen“ diese Versorgungsquelle. Der Oberbürgermeister des demokratischen Sektors von Berlin, Friedrich Ebert, erklärte auf einer Pressekonferenz, daß genügend Nahrungsmittel und Kohle für ganz Berlin vorhanden seien und daß man keine Bedingungen daran knüpfen werde. Jedem einzelnen Bürgermeister stehe es frei, Nahrungsmittel für seinen Bezirk anzufordern.

Der Reuter-Senat in Westberlin — Handlanger Clays

Ernst Reuter jedoch, der Leiter der Westberliner Verwaltung, folgte den Befehlen Clays; er lehnte die Nahrungsmittel ab und verbot jedem, von dem Angebot Gebrauch zu machen. Die Kohlen und die Nahrungsmittel, die einige Leute aus dem sowjetischen Sektor heranzuschaffen suchten, wurden von der Polizei des Westsektors beschlagnahmt. Wer sich im sowjetischen Sektor zum Nahrungsmittelbezug eintragen ließ, wurde als „Verräter“ (an der Wallstreet! G. S. W.) gebrandmarkt, und man drohte ihm mit dem Verlust seines Arbeitsplatzes.

Eine „christliche“ Lösung

Militärgouverneure

Die Christlichen Demokraten und die rechten sozialdemokratischen Führer unter Reuter fürchteten, daß die USA den Streit beilegen und sogar Berlin verlassen könnten. Mit aller Kraft unterstützten (oder veranlaßten) sie alle möglichen Provokationen und wiesen jede Lösung zurück. Die dadurch hervorgerufenen Leiden der Westberliner Bevölkerung während der von den USA-Vertretern verhängten „Blockade“ kümmerten sie nicht. Die Amerikaner mußten in Berlin bleiben, wenn Reuter und seine Bande die Macht behalten sollten; daher folgten sie gehorsam jedem Wink ihrer amerikanischen Herren. Schamlos nutzten sie sogar die Leiden der Bevölkerung, für ihre demagogischen Zwecke aus, indem sie alle Schuld den Russen zuschoben. In Wirklichkeit wurden jedoch den Bewohnern Westberlins diese schweren Belastungen von der Wallstreet auferlegt, die sich dadurch einen wirksamen Reibungspunkt mit der Sowjetunion verschaffen wollte. Reuter und seine Clique mästeten sich politisch und physisch, während ihre Berliner Mitbürger hungerten.

John Foster Dulles plaudert aus

Weil viele Leute den wahren Sachverhalt der Lage nicht kannten, gaben sie der Sowjetunion schuld; einige witterten sogar eine unmittelbare Gefahr, daß die Sowjetunion den Konflikt aufbauschen könnte. Einige Hitzköpfe schrien tatsächlich nach Krieg — aber diese standen natürlich alle auf amerikanischer Seite. Für die Kriegstreiber war die Situation wie geschaffen, daher zogen sie diese Lage so lange wie nur möglich hin. Einer der Hauptsprecher der Wallstreet, John Foster Dulles, legte dies in einer Rede vor Schriftstellern am 24. Januar 1949 in Paris ganz offen dar. Darin heißt es:
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c54Die amerikanische Presse stellte die sinnlose und kostspielige „Luftbrücke“ als eine herrliche und heldenmütige Rettungsaktion hin. Sie kostete vielen Fliegern das Leben — aber sie war eine Rettung für die Wallstreet und eine Bürde für die Bevölkerung Berlins. Und sie kostete der Bevölkerung Westdeutschlands eine riesige Summe.
Der Preis bestand nicht nur in den Kosten der Beförderung von Kohle auf dem Luftwege nach Berlin (etwa einhundert Dollar die Tonne), die auf dem Wasserwege hätte transportiert werden können, sondern auch in der Unterbindung eines normalen Handelsverkehrs und in der Vergrößerung der Spaltung Deutschlands.

Westdeutscher Separatstaat wird vorbereitet

Als schließlich die „Luftbrücke“ abgebrochen wurde, leisteten sich Clay und die Wallstreet einen neuen Betrug. Die Untersuchung, um die die Vereinigten Staaten und die Vereinten Nationen unter großem Propagandalärm und heftigen Druckmaßnahmen ersucht hatten, war ein Schuß, der sie selbst traf, denn zu viele Tatsachen wurden dadurch enthüllt. Die wiederholten sowjetischen Angebote einer Klärung waren in der Welt kein Geheimnis mehr; und es bestand daher eine ernste Gefahr, daß die Verantwortung der Regierung der Vereinigten Staaten für die Krise allgemein bekannt und begriffen würde.

Die sowjetische Regierung stellte lediglich die Bedingung, daß die Amerikaner einer neuen Tagung des Rates der Außenminister zur Klärung der Deutschlandfrage zustimmten. Das war zu vernünftig, als daß man es hätte ablehnen können. Aber selbst während der Verhandlungen über die Beendigung der „Blockade“ beeilte sich das USA-Außenministerium, den Nutzen dieser Tagung zu untergraben. General Clay schrieb, Murphy habe ihm erklärt,
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Unter dem schweren Druck Clays stimmten die Briten und die Franzosen — Adenauer kam das sehr gelegen — dem Entwurf einer Verfassung für die Bonner Regierung zu, der dann Clay zur Bestätigung vorgelegt wurde: „Das geschah am 12. Mai 1949 in Frankfurt, an dem gleichen Tage, an dem die Blockade Berlins aufgehoben wurde.“ (Ebenda, s. 433.)
Das ist die Moral des Imperialismus in Reinkultur.

Quelle:
George S. Wheeler, Die amerikanische Politik in Deutschland, 1958, S. 222-224

https://sascha313.wordpress.com/2015/10/20/der-betrug-mit-der-luftbruecke/

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